Neubauprojekte im 20. Bezirk: Was bis 2030 in der Brigittenau entsteht

Von Zoran Petrovic, behördlich konzessionierter Immobilienmakler in Wien

Nordwestbahnhof, Traisengasse und weitere Projekte – der aktuelle Stand und was er für Eigentümer bestehender Wohnungen bedeutet.

Die Brigittenau verändert sich in den kommenden Jahren sichtbar. Mit dem Nordwestbahnhof entsteht mitten im Bezirk das letzte große innerstädtische Stadtentwicklungsgebiet Wiens, dazu kommen freifinanzierte Wohnbauprojekte entlang der Donau. Ich habe zusammengetragen, welche Neubauprojekte in 1200 Wien tatsächlich kommen, wann sie fertig werden sollen und was Erstbezugswohnungen im Bezirk kosten.

Auf einen Blick

  • Nordwestbahnhof: rund 6.500 Wohnungen bis 2035, die ersten Wohnbauten ab 2027
  • Bildungscampus: Baubeginn 2026, Fertigstellung 2028
  • Straßenbahnlinie 12: quer durch das Areal, voraussichtlich ab 2029
  • Traisengasse 20–22: 269 Eigentumswohnungen an der Donau, Fertigstellung 2027/2028
  • Preise: Erstbezugswohnungen kosten im Bezirk fast doppelt so viel wie gebrauchte Wohnungen

1. Nordwestbahnhof: der neue Stadtteil zwischen Augarten und Dresdner Straße

3D-Visualisierung des Nordwestbahnhofs im 20. Bezirk mit den Bauplätzen 4, 5 und 10, den weiteren Baufeldern, dem Bildungscampus Rebhanngasse, dem Hochhaus an der Taborstraße, der Grünen Mitte und der Straßenbahnlinie 12
Der künftige Stadtteil Nordwestbahnhof: Bauplätze 4, 5 und 10 der ersten Phase, weitere Baufelder, Bildungscampus, Grüne Mitte und Linie 12 nach dem Flächenwidmungsplan 2024. Eigene Darstellung ZP-IMMO auf Basis von Open Government Data der Stadt Wien (CC BY 4.0); Lage der Bauplätze nach dem wohnfonds_wien, Baukörper schematisch. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

Auf 44 Hektar zwischen Augarten und Dresdner Straße lag jahrzehntelang ein Güterbahnhof – eine rund 1,5 Kilometer lange Barriere, die den Bezirk in zwei Hälften geteilt hat. Bis 2035 planen die Stadt Wien und die ÖBB hier rund 6.500 Wohnungen für etwa 16.000 Menschen sowie 4.700 Arbeitsplätze.

60 Prozent der Wohnungen werden gefördert, einschließlich neuer Gemeindewohnungen („Gemeindebau Neu“), der Rest wird freifinanziert. An vier Standorten sind Hochhäuser vorgesehen. Herzstück ist die „Grüne Mitte“: ein rund 10 Hektar großer Park ohne Durchzugsstraßen, mit Blickachse auf Leopoldsberg und Riesenrad. Die ehemalige Zulaufstrecke vom Handelskai wird zu einem Highline-Park für Fußgänger und Radfahrer umgebaut.

Der Zeitplan

  • Abbruch: Die Abbrucharbeiten auf dem Areal laufen in zwei Phasen und sollen bis 2028 abgeschlossen sein.
  • Bildungscampus: Baubeginn 2026, Fertigstellung 2028. Insgesamt entstehen im neuen Stadtteil drei Bildungsstandorte, vom Kindergarten bis zur AHS-Oberstufe.
  • Erste Wohnbauten: Baubeginn 2027 an der Rebhanngasse.
  • Straßenbahn: Die neue Linie 12 soll das Areal voraussichtlich ab 2029 über die verlängerte Wallensteinstraße durchqueren und es mit dem Nordbahnhof verbinden.
  • Endausbau: 2035.

Die ersten Wohnbauprojekte

Für die erste Phase haben die ÖBB gemeinsam mit dem wohnfonds_wien 2024 einen Bauträgerwettbewerb für rund 530 geförderte Wohnungen durchgeführt. Die Siegerprojekte stehen fest. Wo die drei Bauplätze liegen, zeigt die Grafik oben (Markierungen „Bpl 4“, „Bpl 5“ und „Bpl 10“):

BauplatzProjektBauträgerLageWohnungenBezug
4Inside OutFamilienwohnbauan der Rebhanngasse, südlich des Bildungscampus136Frühjahr 2029
5Luv + LeeARWAGan der Rebhanngasse, am südlichen Eingang des Areals113Sommer 2029
10Wiener LuftEGW / Schönere Zukunftnördlich des Bildungscampus, mit Kindergarten162Herbst 2029

Geförderter Wohnbau; Bezugstermine laut wohnfonds_wien. Für „Wiener Luft“ nennt die EGW einen Baubeginn im 3. Quartal 2027 und die Fertigstellung im 3. Quartal 2029. Die Lage der Bauplätze folgt der Lageskizze des wohnfonds_wien und ist in der Grafik vereinfacht dargestellt.

Auf zwei weiteren Bauplätzen der ersten Phase entsteht ein Gemeindebau Neu, zwei werden freifinanziert entwickelt. Auf Bauplatz 6 plant der Bauträger RE Wohnraum rund 150 Eigentumswohnungen. Auch STRABAG Real Estate entwickelt ein Wohnprojekt am Nordwestbahnhof; Details dazu sind noch nicht veröffentlicht.

Was als Nächstes kommt

  • Phase A.2: Ein weiterer Bauträgerwettbewerb umfasst rund 100 geförderte Wohnungen und ein gefördertes Pflegewohnheim. Zudem haben die ÖBB zwei freifinanzierte Bauplätze am südlichen Eingang des Areals zum Verkauf ausgeschrieben – Mindestkaufpreis rund 44 Mio. Euro, Angebotsfrist bis 21. September 2026. Wer den Zuschlag erhält, ist noch nicht öffentlich.
  • Phase B: Laut Stadt Wien beginnt 2026 die Entwicklung eines weiteren Abschnitts mit rund 1.300 geförderten Wohnungen.

Vormerkung
Laut Stadt Wien kann man sich für Wohnungen am Nordwestbahnhof anmelden, sobald die jeweiligen Bauträger feststehen. Für die ersten Projekte ist das der Fall – Anfragen richten Sie direkt an Familienwohnbau, ARWAG oder EGW.

Quellen: Stadt Wien, Stadtentwicklungsgebiet Nordwestbahnhof (Stand 21.09.2026) und Neue Stadtentwicklungsgebiete 2026; wohnfonds_wien; EGW; ÖBB-Immobilienmanagement; bauXund; STRABAG Real Estate

2. Traisengasse 20–22: 269 Eigentumswohnungen an der Donau

Lagebild des Bauplatzes Traisengasse 20–22 in 1200 Wien am Brückenkopf der Brigittenauer Brücke an der Donau, mit Projektdaten
Lage des Bauplatzes Traisengasse 20–22 am Brückenkopf der Brigittenauer Brücke; das geplante Wohngebäude selbst ist nicht dargestellt. Eigene Darstellung ZP-IMMO auf Basis von Open Government Data der Stadt Wien (CC BY 4.0); Projektangaben laut Vermarktungsunterlagen der Haring Group und Inseraten. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

Das derzeit größte freifinanzierte Projekt im Bezirk liegt direkt an der Donau, wenige Schritte von der Brigittenauer Brücke entfernt. Die Haring Group errichtet hier 269 Eigentumswohnungen mit zwei bis fünf Zimmern und rund 38 bis 124 m², dazu 166 Tiefgaragenplätze. Je nach Wohnung gibt es Garten, Balkon, Loggia oder Dachterrasse. Das Projekt ist nach DGNB Gold vorzertifiziert.

Baubeginn war laut Vermarktungsunterlagen Ende des 2. Quartals 2025. Beim Fertigstellungstermin weichen die Angaben voneinander ab – genannt werden Ende 2027 bis 2028. Die Angebotspreise der inserierten Wohnungen liegen überwiegend zwischen rund 7.100 und 8.700 €/m², Dachgeschoßwohnungen teils darüber.

Quellen: Vermarktungsunterlagen des Bauträgers; Inserate auf ImmoScout24 (Stand Oktober 2026)

3. Weitere Projekte im Bezirk

Lagebild der Wohnhäuser Zwei Goldene Adler in der Nordbahnstraße 4, 1200 Wien, mit Projektdaten und Entfernungen zu Straßenbahn, Taborstraße und Augarten
Lage der Wohnhäuser Zwei Goldene Adler in der Nordbahnstraße 4 an der Grenze zum 2. Bezirk. Eigene Darstellung ZP-IMMO auf Basis von Open Government Data der Stadt Wien (CC BY 4.0); Projektangaben laut Steiner Immobilien und Inseraten. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.
  • Zwei Goldene Adler, Nordbahnstraße 4: Zwei Wohnhäuser von Steiner Immobilien an der Grenze zum 2. Bezirk mit insgesamt 65 Eigentumswohnungen (32 bzw. 33 je Haus) mit zwei bis vier Zimmern und rund 30 bis 100 m². Baujahr 2025; die Wohnungen werden als Erstbezug angeboten, derzeit um rund 8.300 bis 8.900 €/m².
  • Nordwestbahnstraße 53: Auf dem Areal eines Autohauses nahe dem Augarten ist eine Blockrandbebauung mit Wohnungen, Geschäften und Betrieben geplant; mindestens ein Drittel der Wohnnutzfläche wird gefördert. Die Flächenwidmung ist beschlossen, ein Baubeginn ist noch nicht bekannt.
  • Dachgeschoßausbauten und Sanierungen: Daneben entstehen laufend neue Wohnungen in Gründerzeithäusern – durch Dachgeschoßausbauten und Generalsanierungen.

Kürzlich fertiggestellt wurden unter anderem SOLEY in der Leystraße 122 (STRABAG Real Estate, 53 Eigentumswohnungen, Bauzeit 2023 bis 2025) und Der Goldene Albatros in der Brigittagasse 15 (Steiner Immobilien, 2024).

Quellen: Stadt Wien, Nordwestbahnstraße 53 (Stand 18.04.2026); Steiner Immobilien; STRABAG Real Estate; Inserate auf ImmoScout24 (Stand Oktober 2026)

4. Was Erstbezugswohnungen in der Brigittenau kosten

Für meinen Beitrag über die Wohngegenden der Brigittenau habe ich alle Wohnungskaufverträge der letzten drei Jahre aus dem Grundbuch ausgewertet. Der Unterschied zwischen Erstbezugswohnungen und gebrauchten Wohnungen ist deutlich:

Kategorie€/m²
Gebrauchte Eigentumswohnungen (mittlerer Preis laut Kaufverträgen)3.912 €
Erstbezugswohnungen (mittlerer Preis laut Kaufverträgen)7.211 €
Laufende Projekte (Angebotspreise)ca. 7.100 – 8.900 €

Erstbezugswohnungen kosten im Bezirk damit fast doppelt so viel wie gebrauchte Wohnungen. Die Angebotspreise der laufenden Projekte liegen am oberen Ende – wobei Angebotspreise noch keine erzielten Kaufpreise sind. Wie sich die Preise innerhalb des Bezirks verteilen, zeigen meine Preiskarten.

Datengrundlage: Kaufverträge aus dem Grundbuch der letzten drei Jahre, Stand 14.10.2026; Angebotspreise laut Inseraten, Stand Oktober 2026. Auswertung: ZP-IMMO.

Was das für Eigentümer bestehender Wohnungen bedeutet

Wer in der Brigittenau eine Wohnung besitzt, fragt sich zu Recht, wie sich die vielen neuen Wohnungen auf den Wert der eigenen auswirken. Vier Punkte sind aus meiner Sicht entscheidend:

  • Erstbezugswohnungen spielen in einer anderen Preisklasse. Bei fast doppeltem Quadratmeterpreis konkurrieren neue Projekte kaum direkt mit der typischen gebrauchten Wohnung. Für viele Käufer bleibt die gebrauchte Wohnung die leistbare Möglichkeit, im Bezirk Eigentum zu erwerben.
  • Die neue Infrastruktur kommt dem ganzen Umfeld zugute. Bildungscampus, Grüne Mitte, Straßenbahn und Geschäfte entlang der verlängerten Wallensteinstraße werten auch die angrenzenden Grätzel auf. Ob und wann sich das in den Preisen niederschlägt, lässt sich seriös nicht vorhersagen. Derzeit liegen gebrauchte Wohnungen im Zählbezirk Nordwestbahnhof mit einem mittleren Preis von 3.831 €/m² im Mittelfeld des Bezirks.
  • Fertigstellungen bringen viel Angebot auf einmal. Wenn große Anlagen wie die Traisengasse fertig werden, kommen zahlreiche Wohnungen gleichzeitig auf den Markt – ein Teil davon als Anlegerwohnungen, die anschließend vermietet werden. Wer eine neuere Wohnung im selben Umfeld verkaufen möchte, sollte das bei der Zeitplanung berücksichtigen.
  • Die Bauphase dauert Jahre. Bis 2035 wird am Nordwestbahnhof in Etappen gebaut. Für Anrainer bedeutet das über längere Zeit Baustellenverkehr und Lärm.

Worauf es bei der Bewertung ankommt
Für den Wert Ihrer Wohnung zählen nicht die Preise von Erstbezugswohnungen, sondern tatsächlich erzielte Kaufpreise vergleichbarer gebrauchter Wohnungen in Ihrem Grätzel. Genau diese Daten werte ich aus dem Grundbuch aus.

Was ist Ihre Wohnung in der Brigittenau wert?

Mit der kostenlosen Immobilienbewertung sage ich es Ihnen nach einem Termin vor Ort – schriftlich, unverbindlich und auf Basis aktueller Kaufverträge aus Ihrer Umgebung. Mehr über meine Arbeit im Bezirk lesen Sie auf der Seite Immobilienmakler 1200 Wien.

Stand: Oktober 2026. Alle Projektangaben laut Stadt Wien, Bauträgern und Vermarktungsunterlagen; Termine und Preise können sich ändern.

Zoran Petrovic
ZP-IMMO
Ospelgasse 1-9, 1200 Wien
+43 699 151 151 30
office@zp-immo.at

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